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Künstlerin sein- Was bedeutet das? Teil II

Aktualisiert: März 22

Vor fast genau 2 Jahren habe ich diese Homepage erstellt, alleine und ohne Vorkenntnisse mit meiner Lieblingsmethode "Learning by doing". Durch das schreiben von Texten, wie z.B. Blogartikel, findet nochmal eine ganz andere Auseinandersetzung mit meiner künstlerischen Tätigkeit statt. An der Staffelei arbeite ich aus dem Bauch heraus und am Schreibtisch schaffe ich Klarheit und Deutlichkeit für mich und vielleicht auch für andere ;-)


Stillstand gehört nicht zum Künstlerberuf


Heute gibt es also eine Fortsetzung zu meinem ersten Blogartikel. (Link zum 1. Teil) Beim durchlesen meiner Premiere als Schreiberin habe ich festgestellt, dass sich einiges getan hat in Sachen Schreibstil und auch viele neue Eindrücke hinzugekommen sind. Darum habe ich mich heute für eine Fortsetzung entschieden.


Künstlerin zu sein unterscheidet sich von den meisten anderen Berufen, wie zum Beispiel Virologe ;-), Verkäufer, Bankkaufmann, Taxifahrer oder Bäcker. Niemand würde auf die Idee kommen, diesen Weg einzuschlagen, weil man ja mit irgendwas seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Das wäre auch eine sehr unkluge Idee. Denn wenn man sich auf das Abendteuer kreativ sein als Lebensmittelpunkt einlässt, ist sehr häufig das "davon leben können" eine zentrale Problematik.


Es kommt auch noch hinzu, dass durch die Coronakrise der Künstler mit der harten Realität nicht systemrelevant zu sein konfrontiert wurde. Nach wie vor ist es schwierig bis unmöglich öffentlich seine Arbeiten präsentieren zu können. Auch eine Ausstellung meiner Werke musste im November letzten Jahres abgesagt werden und ich weiß nicht ob es irgendwann in naher Zukunft einen Ersatztermin geben wird.


Aber wie habe ich schon im ersten Teil geschrieben: "...es brauch Kraft bei Niederlagen wieder aufzustehen, den Stift und den Pinsel wieder in die Hand zu nehmen und weiterzumachen. " Kreativität kennt und akzeptiert keinen Lockdown. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Im letzten Jahr habe ich z.B. das Projekt "Kunst für Freiheit und Sein" in Bad Faulenbach ins Leben gerufen um einen Ort des freien Austausches zu ermöglichen.

(Beiträge zum Thema: Artikel I und Artikel II)


Aber auch schon dieses Jahr haben es meine Werke aus dem Atelier geschafft. Mit der Aktion "Kunst im Schaufenster" in der Füssener Innenstadt setzen nun einige meiner Werke Farbakzente ins Pandemie- Einheitsgrau. Gleichzeitig möchte ich auf die prekäre Lage des Einzelhandels und natürlich auch der Kreativbranche hinweisen. Bei einem Bildverkauf geht ein Teil des Erlöses an das jeweilig beteiligte Geschäft.


Nach dem Start dieser etwas anderen Ausstellung hatte ich das Gefühl endlich aus meinen WInterschlaf aufzuwachen. Künstlerin sein bedeutet also auch: Ruhepausen? Ja gerne, sind willkommen. Auch mal über einen selbstgewählten!!! längeren Zeitraum. Stillstand allerdings ist nicht akzeptabel.


Denn Kreativität entsteht durch ein Gefühl des bewegt seins. Unzwar auf allen Ebenen: körperlich, geistig und seelisch. Nur so kann etwas aus einem selber heraus entstehen. Alles andere kratz nur an der Oberfläche. Wo wir gerade bei oberflächlich sind: Kunst mag vielleicht für das aktuell herrschende System, welches doch sehr stark den Anschein erweckt aus den letzten Löchern zu pfeifen, nicht von Bedeutung sein aber es ist eindeutig lebensrelevant. Und ich sehe es überhaupt nicht mehr ein, mich von dieser falschen Sichtweise blockieren zu lassen. Ich nehme mir bei dieser Problematik das Wasser als Vorbild. Kommt mir ein Hinderniss entgegen, fließe ich halt drumherum... so gut es eben geht.


Es kommen doch automatisch Fragen auf, wie z.B.: Ist dieses künstlich erschaffene Gesellschaftsmodell eventuell lebensfern, wenn nicht sogar lebensfeindlich, wenn es kreativen Ausdruck blockiert? Technik, Wirtschaft, Ausbeutung von Mensch und Natur darf weiter fortschreiten aber der Einzelne sollte sich möglichst nicht entfalten können und sich gefälligst anpassen? Ist dieses Lebensmodel das einzige und alternativlos?

Der Kunstmarkt ist nicht unbeding das zu Hause des Künstlers...


...sondern eher ein Ort wo das kreativ Erschaffene zum Konsumprodukt wird. Wer Einlass in die "heiligen Hallen" erlangen will, muss nicht unbedingt talentiert sein (obwohl es natürlich auch vorkommt). Viel mehr scheint mir, dass man vor allem die richtigen Leute kennen muss, um in die elitären Kreise aufgenommen zu werden. Ich bin mir auch nicht so sicher ob man diese "Glückspilze" wirklich beneiden sollte? Ein bedingungsloses Grundeinkommen stellt dieser Markt seinen Schäfchen jedenfalls nicht zur Verfügung. Es ist wohl eher so, dass "The new star is born" lieber das liefern sollte, was man von ihn erwartet und in einer Welt der politischen Korrektheit, sollte er doch bitteschön auch gleich die richtige Weltanschauung mitbringen. Querdenken in der Kunstszene? Das war gestern...


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Des Galeristen neues Kunstwerk

Über BeRUFung und Hürden

Ach, da kann ich mich doch recht glücklich schätzen, in meinen kleinen Atelier. Wo ich, wenn ich wollte, mir sogar einen Aluhut schwurbeln könnte ohne verurteilt zu werden. Wenn ich vor einer leeren Leinwand stehe, muss ich mir nicht Gedanken machen was mein (eh nicht vorhandener) Galerist von mir erwartet oder was mein auserwähltes Puplikum sehen will. Ich male einfach drauf los und am Ende kommt ein echter Schramm raus... Einfach so! Künstlerin sein bedeutet auch: Immer für genügend Freiraum sorgen. Eine Herausforderung in einer Gesellschaft in der klar definiert wird, dass Leistung nur einen Wert hat, wenn sie dem Markt angepasst ist. Der Mensch selber wird nur noch als Objekt gesehen und in dienlich oder unbrauchbar eingestuft, wie Nutzvieh.


Botschaften in Stein gemeißelt...


Die Meinungsfreiheit wird ja angeblich ganz groß geschrieben in Deutschland. Ja, man darf sie haben und wird nicht gleich eleminiert, so wie es leider schon oft genug in der Geschichte der Fall war. Allerdings: Wessen Stimme vom Einheitschor abweicht, muss mit gesellschaftlicher Ächtung und verbaler Steinigung, die übrigens auch schmerzhaft sein kann, rechnen. Und wenn ich mir die aktuelle Weltlage ansehe, frage ich mich was es bringt mich ohne Einschränkung äußern zu dürfen, wenn am Ende ein Haufen selbsternannte Experten entscheidet was ich zu tun oder zu lassen hab? Also ist doch ein zentrales Problem die Entscheidungsfreiheit. Ich glaube manche sind ganz froh diese nicht zu besitzen, weil Verantwortung für sich und sein handeln stets eine Begleiterscheinung wären.


Wo wir gerade beim Thema steinigen sind. Da durch die immer noch anhaltenen Kontaktbeschränkung kaum mehr ein Miteinander stattfindet, habe ich nach einen Weg gesucht meine Gedanken trotzdem mitzuteilen. Immer wieder findet man ja bemalte Steine, oft auch mit Botschaften. So einer kreuzte irgendwann im November meinen Weg. Ich fand ihn nett aber dachte mir nichts dabei. Aber am nächsten Tag hatte ich, mal wieder, ein AHA Erlebnis: Ich demonstriere jetzt halt auf meine Art. Ich sammelte Steine am Lechufer und funktionierte sie sozusagen als Demonstrationsplakate um. Spaziergänger durften sich freuen oder auch ärgern über meine Meinung, die ich hier und dort plazierte. Künstlerin zu sein bedeutet auch ab und zu mal Schabanack zu treiben. Kein Problem für mich.


So das waren einige meiner aktuellen Gedankengänge über mein Tun und Sein. Ich hoffe auch in Zukunft die Hindernisse gut umfließen zu können aber noch lieber wäre mir, wenn nicht ständig irgendjemand seinen Sondermüll in den Lebensfluß wirft. Denn kein Gewässer braucht diesen um zu existieren. Also warum sollte man weiterhin Dinge produzieren die vollkommen überflüssig sind?


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